Der Anti-Michel: Michel Houellebecq (Ye Zal)

Der Anti-Michel: Michel Houellebecq
1. Headline des Jahres (siehe Bild)!
2. Korrektur: Natürlich hat Houellebecq den Literatur-Nobelpreis verdient, WEIL er «als Islamhasser, Frauenfeind und Misanthrop» gilt – nicht «trotzdem».
Schopenhauer und Nietzsche werden ja auch nicht deshalb gern gelesen, weil sie über genderfluide Booster-Katzen schrieben, die auf regenbogenbunten Lastenrädern einem herzerwärmenden Utopia nach Berliner (Psychose-)Vorbild entgegenstrampeln, sondern da sie die Welt brennen sehen wollten. Houellebecq ist insofern kein Aktivist, als er die Welt nicht verändern will, er will die (bereits) Veränderten bloß auslachen – was fällt, soll man noch stoßen. Etwas anderes hat diese durchinfantilisierte Gesellschaft auch nicht verdient. Eine Gesellschaft, die angesichts «falsch» benannter Saucen (Z*geuner), «falsch» getragener Masken oder sogenannter Impfgegner™ künstlich empört aufschreit. Indessen sie im Tiefschlaf verweilt, wenn die Polizei, dein Freund und Wasserwerfer, auf Demos Kinder und Rentner vermöbelt, oder wenn die EU ein steuerfinanziertes Projekt für «digitale Hygienemaßnahmen zur Unterbindung von Falschinformationen» auf den Namen «SOMA» [1] tauft. «SOMA»? Nun … jene Droge, welche in Huxleys «Schöne neue Welt» den Menschen «das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt» (Wikipedia). 🤡
MAKIN’ ENEMIES IS GOOD
Hass ist jedenfalls besser als sein Ruf. Und eine normale – wenn nicht gar neben der Schadenfreude die ursprünglichste – menschliche Gefühlsregung, welche (noch) nicht unter Strafe steht. Zumal sie häufig nur dann auftritt, wenn der Hass auch gerechtfertigt ist bzw. eine überlebenswichtige Funktion erfüllt (obgleich mit diversen Gummiparagraphen zum Schutze der Regierung sowie dem NetzDG fleißig daran gearbeitet wird, ihn a priori zu kriminalisieren). Er ist wichtig, weil man nicht immer hinnehmen kann, was die ach so gandhisch-diplomatischen Demokrat*innen™ einem in diesem Lande antun. Si vis pacem para bellum: Wer Frieden will, bereite den Krieg vor. Gerade «wer stark lebensbejahend ist», so der Psychoanalytiker Erich Fromm, werde entsprechend mit Hass reagieren, «wenn sein Leben bedroht ist» [2].
Da die meisten von euch eine deutsche Schule besucht haben und sonst nur auf das hören, was «SPIEGEL», «ZEIT» und «tagesschau» vorkäuen, könnt ihr es nicht wissen, aber: Es gibt de jure KEINE Hassverbrechen. «Das deutsche Strafrecht kennt keine gesondert als Hassdelikte zu qualifizierenden Straftaten.» (Wikipedia) Hass ist eine Meinung – und wir brauchen mehr davon! 🎶🎤 Makin’ enemies is good … [3]
✒️ (Ye Zal)
Quellen:
[1] «Geförderte Projekte zur Bekämpfung von Desinformation» (Website der Europäischen Kommission, 2020)
[2] «Hass – starke Emotion der Ablehnung» (Wikipedia-Artikel)
[3] «Brand New Hate», Song von Backyard Babies (2001)
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📰 WELT-Porträt (von Jan Küveler, 06.10.2021)
«Michel Houellebecq: „Ich hätte Aktivist werden können, aber ich habe zu viel Humor“
Michel Houellebecq gilt als Islamhasser, Frauenfeind und Misanthrop und wäre trotzdem ein hochverdienter Literatur-Nobelpreisträger. Was muss einem widerfahren, um so zu werden? Eine fulminante Neuerscheinung liefert neue Erkenntnisse.
Die Pissoirs im Pariser Lycée Chaptal sind im neobyzantinischen Stil gehalten. Michel Houellebecq muss sich oftmals in sie hinein erleichtert haben, zu jener Zeit, da er sich auf ein Studium der Agrarwissenschaften vorbereitete. Mitte der Siebzigerjahre saß dieser merkwürdige junge Mann, der schon damals die Haare halblang trug, in Grignon unweit von Genf und sah seinen Agro-Kommilitonen dabei zu, wie sie schüchtern und hoffnungslos von Frauen träumten. Warum er sich für dieses Studium entschieden hatte, bleibt ein Rätsel, auch nach Lektüre eines fulminanten neuen Buchs, das dem Phänomen Houellebecq auf die Spur zu kommen trachtet.
Womöglich lag es daran, dass der Mensch inmitten der Gezeitenkräfte von Geologie und Ökologie eine angenehm zurückhaltende Rolle spielte. Der Houellebecq von damals bleibt auch in den Schilderungen seiner alten Freunde wie Pierre Lamalattie, der wie Houellebecq selbst erst eine Bürokraten- und schließlich eine Karriere als Künstler und Schriftsteller einschlug, eine Black Box. Später würde Houellebecq schreiben, und es klingt wie ein Selbstgespräch: „Haben Sie keine Angst vor dem Glück; es existiert nicht.“
Die Black Box als Metapher wird meist gebraucht, um die Undurchsichtigkeit eines Vorgangs oder Menschen zu betonen. Mindestens so wichtig ist im Fall von Houellebecq der eigentliche Hauptaspekt jener Geräte, die nach Flugzeugunglücken geborgen und zurate gezogen werden, um Aufschluss über die Katastrophe zu geben: Selbst unauffällig bis zum Verschwinden, zeichnen sie exakt auf, was um sie herum geschieht – Gespräche, Funksprüche, aber auch die unsichtbare Tätigkeit der Schaltkreise. Erst unter diesem kühlen, panoramatischen Blick treten Wesen und Zustand des Beobachtungsgegenstand – sei es die Maschine in der Luft, sei es die Gegenwart – deutlich zutage.
Houellebecq, der Student, ging in entlegenen Einkaufszentren spazieren und summte deren Werbemelodien: „Auchan, das Leben, das echte.“ Zu Weihnachten, wenn die anderen nach Hause fuhren, legte er sich einen Vorrat an Camembert zu. Er soll damals, so erzählt Lamalattie, überhaupt von wenig mehr als Camembert mit Senf gelebt haben. Ein bisschen lebhafter wurde er nur, als er einen Kurzfilm mit dem Titel „Leidenskristall“ (Cristal de souffrance) drehte. Das Skript sah vor, dass eine leicht bekleidete Frau kreuz und quer durch den Park von Grignon lief, um schließlich ins eisige Meer der Normandie zu steigen.
✝️ EIN BISSCHEN WIE CHRISTUS
Nach dem Studium, das kaum Kopfzerbrechen bereitete, schloss er sich in Paris einem Club vagabundierender Dichter namens Échange Poésie an. In kleinen Hinterzimmern las er mit phlegmatischer Stimme gewundene Alexandriner, deren klassische Form mit dem Inhalt kollidierte. „Mein Vater war ein Arschloch, einzelgängerisch, barbarisch.“ So beginnt das zweite Gedicht seines Anfang der Neunziger veröffentlichten lyrischen Debüts mit Arbeiten, die auch auf jene Zeit zurückgehen. Das erste Poem, mit dem Titel „Einkaufszentrum – November“ war so losgegangen: „Als erstes bin ich in eine Tiefkühltruhe gestolpert.“ Houellebecqs Hang zu Bonmots verfing in der Literaturkritik wie Graffitis in der U-Bahn, über die er ebenfalls schrieb: „Die Metro ist vollgestopft mit Menschen. Man bräuchte eigentlich einen Staubsauger.“ Die Verse machten Eindruck. Ein neuer Dichter hatte die Bildfläche betreten.
Längst kennen wir ihn, der sich bald zum Romancier mauserte, als Mann der unangenehmen Wahrheiten, also als Schriftsteller, der den Namen verdient. Damit ist er in seiner Karriere, die so richtig Ende der Neunziger mit „Elementarteilchen“ losging, öfter angeeckt. Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte wurde er Islamhasser, Frauenfeind und überhaupt ganz und gar scheußlicher Mensch genannt. Dabei trägt Houellebecq, ein bisschen wie Christus, den er nicht besonders schätzt, obwohl er katholischen Literaturmagazinen einfühlsame Interviews gibt, das Kreuz der Menschheit auf seinen schmalen Schultern. Genauer gesagt, nicht der ganzen Menschheit, sondern des Teils, der sich in jenen Grenzen bewegt, die die westliche Zivilisation bezeichnen.
Für diese Menschen – uns – hat Houellebecq ein wenig Mitleid und viel Spott übrig. Er ist der Auffassung, die Freiheit, die wir uns stolz auf die Fahnen schreiben, sei nicht nur ein Gefängnis, sondern sogar die Hölle. In der Konsequenz läuft ein Leben unter ihrem Vorzeichen, ist Houellebecq sicher, auf einen verlustreichen Kampf aller gegen alle hinaus. Das gelte besonders für die Frauen, deren rapide abnehmende Halbwertszeit er misst wie ein melancholischer Kernphysiker. In seinen Büchern behandelt er vorzugsweise Lebensbereiche, die von diesem verheerenden Sog erfasst sind: Arbeit, Sexualität, Moral und Religion. Unter den Gegenwartskundlern ist er ein Schwergewicht. So beschreibt er auch seine Arbeit, im Herbst 2012 in einem Gespräch mit der Journalistin Sophie Nauleau: „Ein Roman hat etwas von einem Felsblock, der einen Abhang hinunterrollt.“
Entsprechend ziegelsteinartig, über 600 großformatige Seiten stark, präsentiert sich das neue Kompendium mit dem treffenden Titel „Michel Houellebecq“ – voller Erinnerungen von Jugendfreunden und Weggefährten, Essays bekannter Schriftsteller wie Julian Barnes, Salman Rushdie und Emmanuel Carrère sowie journalistischer Porträts, Reportagen und bislang unveröffentlichter Texte des Autors selbst – über das Phänomen Houellebecq. Herausgegeben hat es Agathe Novak-Lechevalier, Professorin in Nanterre. In Frankreich ist es in den Éditions de L’Herne erschienen, einer Institution literarischer Kaleidoskope, deren Ehrgeiz darin liegt, bedeutende Schriftsteller und Schriftstellerinnen in der Gesamtheit von Leben und Werk vorzustellen und zu deuten.
Besonders die frühen Zeugnisse sind von unschätzbarem Wert, weil, zumal in Deutschland, bisher weitgehend unbekannt. Man folgt gebannt der Houellebecqwerdung Houellebecqs, der frühen Herausbildung von Themen und Stil, was nur ein anderes Wort ist für die Haltung gegenüber der Welt. „Ich bin ein Individualist mit symbiotischer Tendenz“, spottete schon der junge Dialektiker über sich selbst. Oder: „Ich hätte Aktivist werden können, aber ich habe zu viel Humor.“ Großgeworden im Klima von Post-Achtundsechzig und postkolonialer Wir-retten-den-globalen-Süden-Attitüde seiner Agrar-Professoren wie der Nouveaux Philosophes um André Glucksmann, Alain Finkielkraut, Bernard-Henri Lévy, Pascal Bruckner, deren großspurige und selbstgefällige Naivität Houellebecq von der ersten Sekunde durchschaute, führte ihn der Weg in eine Einsamkeit, mit der er bald identifiziert werden sollte, als Fertiggerichte aufwärmender Kettenraucher, umgeben von Comics und Hundefotos, in den Hochhäusern der Pariser Banlieues. Dabei ist er – eine erstaunliche Erkenntnis der Lektüre – kein geborener einsamer Wolf. Auf die Frage eines Freundes, was er am meisten fürchte, entgegnete schon der junge Schriftsteller eben „die Einsamkeit“.
Seine Gegenwartsanalysen bestechen schon immer nicht so sehr durch ihre Originalität als durch ihre Treffsicherheit und Hartnäckigkeit, mit der er sie in seinen Romanen durchleuchtet. Über die Conditio humana zu Beginn des 21. Jahrhunderts sagt er: „Armut und Individualismus breiten sich weiter aus. Zwar verfügen die Menschen über immer ausgefeiltere Kommunikationsmittel, aber sie werden sich immer weniger zu sagen haben. Ohne eigenes Gefühlsleben kann man mit anderen nicht kommunizieren. Wir sind im Begriff, zu einer Gesellschaft verblödeter Zombies zu verkommen.“
💊 RELIGION ALS ALLHEILMITTEL
Zugleich beharrt er auf der Gültigkeit alter lyrischer Metren, um moderne Vorgänge zu beschreiben, weil „seit dem Mittelalter eigentlich nichts passiert“ sei. Im Gespräch mit erzkonservativen Katholiken, in Frankreich eine einflussreiche Strömung auch in der Literatur, bekennt er, leider kein Talent zum Glauben zu haben. Gleichwohl sei er überzeugt, das einzig mögliche Heil – er nimmt hier sogar das Wort Glück in den Mund – des Menschen liege in der Religion.
Das alles hat ihm den Vorwurf eingebracht, er sei ein Reaktionär. Enge Freunde widersprechen und schreiben seine Sticheleien in Aussagen, Lebensweise und seinen Texten der Dummheit des herrschenden Diskurses zu, dem sich Houellebecq entgegenstelle. Würde er, ohne einen Aktivisten in der Nähe, auf einer einsamen Insel leben, ist ein Freund überzeugt, wäre er „wohl eher links“. Das Erscheinen eines frühen Gedichts des noch unbekannten Autors in einer kleinen Zeitschrift wurde vom Leiter des Pariser Kulturamts verhindert, weil die letzte Zeile lautete: „Wir erwarten voller Ungeduld den Einmarsch der Sowjetunion.“
Als er schließlich den Prix de Flore gewinnt, der mit 40.000 Francs und „365 Gläser à 25 cl Pouilly-Fumé“ dotiert ist, ist der Durchbruch als Schriftsteller geschafft. Houellebecq verdrückt sich rasch von der Party: „Draußen ist es windstill“, schreibt er, „ein wenig frisch. Ich fühle mich normal, es geht mir gut. Alles ist in Ordnung. Jetzt ist alles in Ordnung.“
[Info] Agathe Novak-Lechevalier (Hg.): „Michel Houellebecq“. Aus dem Französischen von Stephan Kleiner. Dumont, 592 Seiten, 44 Euro»
Ist möglicherweise ein Bild von 1 Person und Text „Schall und Rauch: Michel Houellebecq Quelle: picture alliance Andreu Dalmau/EFE EPA FILES/ dpa WeLT- MICHEL HOUELLEBECQ „Ich hätte Aktivist werden können, aber ich habe zu viel Humor" Michel Houellebecq gilt als Islamhasser, Frauenfeind und Misanthrop und wäre trotzdem ein hochverdienter Literatur-Nobelpreisträger. Was muss einem widerfahren, um so zu werden? Eine fulminante Neuerscheinung liefert neue Erkenntnisse.“
 
 
 
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